Theater-Tipps

für alle, die noch mehr Theater wollen

04.07.2018    "#BerlinBerlin" / Theater Strahl
Damit sich die Jugendlichen von heute vorstellen können, wie sich das Leben im geteilten Berlin anfühlte, gibt es seit März 2018 im Theater Strahl in der "Halle Ostkreuz" ein entsprechendes Theaterstück: "#BerlinBerlin". Fünf Schattenlichter machten gestern Abend den Generationentest und stellen begeistert fest: Das ist viel mehr als ein Stück für Jugendliche, hier kommen auch die Zeitzeugen hüben wie drüben voll auf ihre Kosten.
Hüben wie drüben — auch solche Formulierungen hinterfragt das Stück: Wer ist denn eigentlich vor der Mauer, wer ist dahinter? Wer ist durch die Mauer frei — die Nicht-Eingemauerten, weil sie sich frei bewegen können, oder die Eingemauerten, weil sie durch die Mauer geschützt werden? Was macht man eigentlich mit Freiheit?
In "#BerlinBerlin" geht es um Ingo und seine Familie: Ingo wurde am Tag des Mauerbaus geboren. Sein Vater befindet sich am 13.8.1961 gerade in West-Berlin und beschließt, dort zu bleiben. Bald gründet er dort eine neue Familie, verschweigt seine Ost-Herkunft und fällt nur durch seine starke Ablehnung "dieser scheiß Zone" auf. Ingo und seine Familie leiden unter dem Verlust. Mehr als 25 Jahre wird es dauern, bis Ingo seine West-Schwester kennenlernt: Während er es in der DDR nicht aushält und einen Ausreiseantrag stellt, missfällt ihr im Westen die Profitorientierung, und sie preist die Vorzüge des Sozialismus.
Die sechs Schauspieler springen in unterschiedliche Rollen und schaffen es in atemberaubenden Tempo, sich von z. B. einer Mutter in ein quengelndes Kleinkind zu verwandeln. Noch beeindruckender wird es, wenn die Darstellerin des Kleinkinds sofort nach Ende der Szene ans Keyboard springt und mit der fetzigen Schauspielerband das nächste in das jeweilige Jahrzehnt passende West- oder Ostlied spielt und den Zeitzeugen im Publikum eine Gänsehaut bereitet.
Ebenso wandlungsfähig wie die Schauspieler ist die Kulisse, die aus einigen Dutzend grauer Mauersteine besteht. Diese können aber nicht nur eine offene oder undurchdringliche Mauer darstellen, sondern auch ein gemütliches Wohnzimmer, eine Mitropa-Gaststätte, Menschen auf "dem" Bruce-Springsteen-Konzert oder gar Grabsteine auf einem Friedhof. Waaahnsinn!
Nicht zuletzt ist auch die Theaterhalle selbst einen Besuch wert: Ganz bühnenuntypisch gibt es weder einen Vorhang noch eine Bühnenrückwand, sondern die historische Hallenrückwand und ein paar Scheinwerfer reichen aus. Wann und wo wir uns befinden, wird mit klappernder Schreibmaschine jeweils zu Szenenbeginn an einen Wachturm geschrieben bzw. projiziert.
Ein für die Einzelbesucher und Schulklassen gleichermaßen gelungener und erkenntnisreicher Abend — mitreißend, emotional und bei knapp zweieinhalb Stunden Länge erstaunlich kurzweilig! Wer das Stück als Schulklasse besucht, bekommt weitere Einsichten durch das begleitend angebotene Bildungsprogramm der Stiftung Berliner Mauer.
Die Schattenlichter empfehlen: Nach den Ferien allen Bescheid sagen, die man kennt, am besten eine ganze Schulklasse (ab 14) mobilisieren, und ab zum Ostkreuz!
www.theater-strahl.de
21.06.2018    "Der Gast ist Gott" / GRIPS-Theater
Irgendwie haben die Schattenlichter zurzeit ein Händchen dafür, letzte Vorstellungen zu besuchen, die wir nicht mehr weiterempfehlen können, weil es keine weiteren Vorführungen geben wird. So auch diesmal! Nichts desto trotz ein paar Worte zu "Der Gast ist Gott", einer Koproduktion unseres derzeitigen Lieblingsautors Lutz Hübner mit den indischen Autoren Vibhawari Deshpande und Shrirang Godbole: Das Stück lief gestern Abend letztmalig auf der Zweitbühne des GRIPS Theaters im Podewil in der Klosterstraße.
Bisher haben die Schattenlichter bei den vier Lutz-Hübner-Stücken, die sie in den vergangenen Jahren gemeinsam ansahen, immer Verhaltensmuster und Formulierungen entdeckt, die sie als "Lutz-Hübner-typisch" bezeichneten — beispielsweise den Ausruf "Aus die Maus!" oder den Höhepunkt einer Schlägerei gegen Stückende. Diesmal war alles anders, was wohl dem Thema und dem neuen Autorenteam geschuldet sein dürfte.
Der Einakter — die Stückform und -länge immerhin sind "typisch" — handelt von dem Jugendlichen Boris, der von seiner alleinerziehenden Mutter zu einem Schüleraustausch nach Indien überredet wird. Als Nachrücker hat er sich mit der Kultur seines Gastgeberlandes kaum auseinandergesetzt und staunt über die für ihn fremden Ansichten, Verhaltensweisen und Lebensverhältnisse. Er versucht, die Regeln zu befolgen, versteht sie aber nicht. Was Boris passiert, bis er sich heimlich mit gepacktem Koffer aus dem Haus zu schleichen versucht, ist äußerst kurzweilig.
Stilistisch neu und eben nicht "typisch" ist, dass die Schauspieler nicht nur ihre Rollen spielen, sondern auch die Rollen der Schauspieler selbst innehaben, die bestimmte Rollen auf eine bestimmte Art interpretieren und darstellen wollen. Das ist lustig, schafft aber auch eine Distanz zum Stück, weil dadurch natürlich der Handlungsfluss unterbrochen wird. Auf diese Weise betrachtet der Zuschauer das Stück von außen, so wie Boris aus einer Distanz das neue Land betrachtet.
Sehr originell ist ein Requisit, das in "Der Gast ist Gott" für allerlei eingesetzt wird: Konfetti in allen Farben stellen mal Konfetti dar, mal aber auch Kuttelsuppe oder verschmutztes Flusswasser. Lustig!
Da wir dieses Stück zumindest im GRIPS leider nicht mehr sehen können, empfehlen wir den Kauf von Theaterkarten für "Phantom", ein Stück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, das erst am 7. Juni 2018 im GRIPS- Haupthaus Premiere hatte. Die Schattenlichter haben es bereits gelesen und können verraten, dass auch hier die Schauspielerebene vielfach zum Einsatz kommt.
Wieder vom 29.6. bis zum 1.7., vom 4. bis zum 4.9., am 3., 4., 27. und 28.10. sowie am 14. und 15.12.2018.
18.06.2018    "Mosca und Volpone" / Schlossparktheater Theater
Wer für dünne Münze ins Theater will, hat im Sommer — und dann noch während der Fußball-WM — leichtes Spiel. Beispielsweise lockt das Schlosspark Theater gerade mit einem sogenannten "WM-Rabatt", bei dem es zwei Karten zum Preis von einer gibt.
Vier Schattenlichter ließen sich davon heute Abend anlocken, überwanden die unangenehme Hürde einer AfD-Demo am Rathaus Steglitz und kamen für sagenhafte 38 Euro (für alle vier zusammen, nicht etwa für jeden!) in den Genuss, Dieter Hallervorden in der Hauptrolle von "Mosca und Volpone" zu erleben. Nach dem Vorbild der Commedia dell'Arte hat Stefan Zweig dieses Stück 1926 geschrieben, und entsprechend farbenfroh hat es Thomas Schendel inszeniert.
Die Geschichte handelt von dem reichen Venezianer Volpone, der durch seinen Diener Mosca die Nachricht streuen lässt, er läge im Sterben. Umgehend stehen alte Freunde bei ihm Schlange und bringen teure Geschenke, um sich als Alleinerben zu qualifizieren. Die Handlung geht tempo- und ideenreich voran, und in der erst nach 90 Minuten beginnenden Pause wird im Publikum eifrig spekuliert, zu was für einem Ende die Komödie wohl kommen werde. Natürlich kommt es dann völlig anders.
Eine gelungene, stringente Ensembleleistung mit einem beeindruckenden Dieter Hallervorden als Diener Mosca! Wir empfehlen: Fernseher ausschalten, und ab ins Theater!
Noch bis 24.6. zum WM-Tarif oder vom 19. bis zum 24.9.2018 zum Normalpreis. Außerdem gibt es ein Sonderangebot für "Kasimir und Kaukasus", das den ganzen Sommer über gespielt wird: Im Juli und August haben hier Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren freien Eintritt.
11.06.2018    "Stolz und Vorurteil" / Städtisches Gymnasium Rheinbach
05.06.2018    "Skizze eines Sommers" / Hans-Otto-Theater
12.05.2018    "Rio Reiser — König von Deutschland" / Hans-Otto-Theater Potsdam
10.05.2018    "Kishon: Die beste Ehefrau von allen und ICH" / Deutsch-Jüd. Theater
30.04.2018    "Der Entertainer" / Theater am Kurfürstendamm
14.04.2018    "Kleinbürgerhochzeit" / Schlossparktheater
03.03.2018    "Skizze eines Sommers" / Lesung von André Kubiczek
10.02.2018    "Emil und die Detektive" / ATZE-Musiktheaters
27.01.2018    "Marlene" / Renaissance-Theater
24.01.2018    "Vineta" / Paulsen-Gymnasium Steglitz
20.01.2018    "Der Besuch" / Jugendtheatergruppe Auen-Gemeinde Wilmersdorf
14.01.2018    "Wenn Deutsche über Grenzen gehen" / Distel
07.01.2018    "Hauptmann von Köpenick" / Deutsches Theater
01.01.2018    "Kunst" / Berliner Ensemble
30.12.2017    "Linie 1" / GRIPS Theater
23.12.2017    "Die Feuerzangenbowle" / Altonaer Theater, Hamburg
11.12.2017    "Gayle Tufts: Very Christmas" / Theater am Kurfürstendamm
04.12.2017    "Verlorenen Ehre der Katharina Blum" / Kleines Theater
18.11.2017    Theater ab der Parkaue
11.11.2017    "Hinter der Fassade" / Renaissance-Theater
07.10.2017    "Der Schatten" / Die Oilen
05.10.2017
  Horst Evers: "Der Kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex" / Wühlmäuse
31.08.2017    "Willkommen" / Renaissance Theater
29.08.2017    "Der Glöckner von Notre Dame" / Stage Theater des Westens
25.08.2017    "Funny Money" / Schlossparktheater
23.08.2017    "Starlight Express" / Bochum
17.07.2017    "Zwei Zimmer, Küche: Staat!" / Die Distel
09.07.2017    "Eine linke Geschichte" / GRIPS Theater
18.06.2017    "Professor Bernhardi" / Schaubühne
08.06.2017    "Sonnenallee" / Staatstheater Cottbus
20.05.2017    "Wir sind die Neuen" / Komödie am Kurfürstendamm
16.05.2017    "Alle außer das Einhorn" / GRIPS Theater
03.04.2017    "Emil und die Detektive" / ATZE Musiktheater
02.04.2017    "Wunschkinder" / Renaissance-Theater
30.03.2017    "Boeing Boeing" / Schattenlichter
24.03.2017    "Ab heute heißt Du Sara" / GRIPS-Theater
14.02.2017    "Boeing Boeing" / Schattenlichter
15.01.2017    "Triumph des Chillens" / Mehringhoftheater
31.12.2016    "Jahresrückblick 2016" / Mehringhoftheater & Kudamm-Bühne
30.12.2016    "Linie 1" / Grips-Theater
23.12.2016    "Shakespeares sämtliche Werke in 90 Minuten" / Vaganten-Bühne
11.12.2016    "Inside IS" / Grips Theater
09.12.2016    "Der Vater" / Renaissance-Theater
03.12.2016    "Echstasy" / Michael Hatzius im Potsdamer Waschhaus
14.11.2016    "City Night Line" / Jugendtheatergruppe Wilmersdorfer Auengemeinde
06.11.2016    "Er ist wieder da" / Theater am Kurfürstendamm
08.10.2016    "Nettsein ist auch keine Lösung" / Harald Martenstein, Wühlmäuse
20.09.2016    "Eins auf die Fresse" / GRIPS Theater
14.08.2016    "Tschick" / Deutsches Theater
11.07.2016    "Wodka-Käfer" / Deutsches Theater
25.06.2016    "Cavewoman" / Admiralspalast
20.06.2016    "Die Schachnovelle" / Kleines Theater
18.06.2016    "Alles für dich" / MAGMA Theater Spandau
28.05.2016    "Vor Sonnenuntergang" / Schlossparktheater
20.05.2016    "Entartete Kunst - Der Fall Cornelius Gurlitt"
01.05.2016    Alles Gute, "Linie 1"!
30.04.2016    "Frau Müller muss weg" / Potsdamer Hans-Otto-Theater
03.04.2016    "Alle deutschen Dramen an einem Abend" / BKA
17.03.2016    "Richtfest" / Hans-Otto-Theater im Potsdam
12.03.2016    "Bach – das Leben eines Musikers" / ATZE Musiktheater
29.01.2016    "Tschick" / Potsdamer Hans-Otto-Theater
08.01.2016    "Die Feuerzangenbowle" / Theater am Kurfürstendamm
01.01.2016    "The Situation" / Maxim-Gorki-Theater
14.12.2015    "Raub der Mona Lisa" / Kleines Theater am Südwestkorso
03.12.2015    "Angst essen Seele auf" / Maxim-Gorki-Theater
26.11.2015    "Westberlin" / Schaubühne
01.10.2015    "Bella Figura" / Schaubühne
21.09.2015    "Ziemlich beste Freunde" / Komödie am Kurfürstendamm
14.09.2015    "Deutschstunde" / Berliner Ensemble
19.08.2015    "Felix Krull" / Kleines Theater