Skurriles, Ungewöhnliches und Pannen aus 31 Jahren Theaterarbeit

Schlaglichter der Schattenlichter

2016: Umwerfende Stabilität
Der Bühnenbau für "Boeing Boeing" ist vollbracht. Zufrieden betrachten die Schattenlichter ihr Werk aus der Zuschauerperspektive. "Wird denn der neue Türrahmen halten?", fragt einer. "Auf jeden Fall", erwidert ein anderer im Brustton der Überzeugung. In genau diesem Augenblick tritt das zarteste Schattenlicht leise durch die Bühnentür — und die Gruppe sieht ungläubig dabei zu, wie der neue Türrahmen in Zeitlupe zusammenbricht ...
2016: Unerwartete Begegnung
Das Bühnenbild für "Boeing Boeing" zeigt ein stilvolles Wohnzimmer mit Ledersofa und Bücherregal. An einem dunklen Novembertag betritt ein Schattenlicht den leeren Theatersaal mit mehreren Bücherkisten, um das Bühnenregal zu befüllen. Das Schattenlicht tastet sich durch den geschlossenen Vorhang auf die düstere Bühne — und erschrickt heftig: Auf dem Ledersofa schläft ein fremder Mann! Wie sich herausstellt, hatte dieser mehrere Termine im Saal und suchte sich für die Wartezeit den gemütlichsten Ort des Saals aus.
2016: Kreative Kartenbestellungen
Wie so oft in den vergangenen Jahren werden die Eintrittskarten schnell knapp. Soweit nichts Neues — aber neu ist, dass die Zuschauwilligen zu immer umfangreicheren und blumigeren Erläuterungen neigen, um irgendwie doch noch an Karten zu gelangen: Über genaueste Schilderungen, warum sich der private Terminplan geändert hat oder warum man sich nicht schon früher Karten reservieren konnte, bis zu Details wie "Meine Freundin kommt aus Weißensee, da können wir nicht an die Abendkasse!". Schön auch die Logik: "Wenn ich Ihnen zwei Karten für Freitag zurückgebe, müssen Sie mir doch zumindest eine Karte für Donnerstag geben!" Auch auf den privaten Telefonnummern — Festnetz und Handy — der Kartenverwalterin versuchen Zuschauer zu allen Tageszeiten und an allen Wochentagen ihr Glück, wenn der offizielle Kartenreservierungsanrufbeantworter nicht weiterhelfen kann. Aber leider: 200 Plätze sind 200 Plätze, da ist nichts zu machen. Wie tröstlich, dass das Abendkassen-Team bislang in jedem Jahr in der Lage war, geduldigen Spontanbesuchern ausreichend Sitzplätze im Theatersaal zu vermitteln. Und wie schön, dass das Interesse der Zuschauer an den Schattenlichter-Aufführungen so groß ist!
2016: Ein mysteriöser Anruf
Der Anrufbeantworter der Schattenlichter zeigt zwei neue Nachrichten an. Die erste, ohne Angabe eines Namens: "Guten Tag, können Sie mir einen Umzugslastwagen ausleihen? Bitte rufen Sie mich zügig an, denn ich habe zeitliche Engpässe." Die Schattenlichter denken, es handele sich um eine Verwechslung. Die zweite Nachricht, von derselben Person: "Ich bin’s nochmal. Ich möchte bei Ihnen mitspielen. Ich habe schauspielerisches Talent."
Bis heute konnten sich die Schattenlichter nicht motivieren, zurückzurufen.
2015: Besuch eines ungebetenen Gastes und der Polizei
Bei einer Generalprobe soll eigentlich alles genauso verlaufen wie während der nachfolgenden Theateraufführungen vor Publikum. Das wünschten sich die Schattenlichter nach der Generalprobe von "Verwandte sind auch Menschen" allerdings nicht: Nicht genug damit, dass vor Probenbeginn ein fremder Mann in der Garderobe steht, wo er offenbar einige Taschen durchsucht hat, aber anstelle von Portemonnaies nur zwei der begehrten Theaterkarten entwendet hat — was per se schon einen Eintrag in die Skurrilitätenliste wert wäre. Nachdem der erste Akt problemlos über die Bühne gegangen ist, erwischt eine Mitspielerin denselben Mann auf frischer Tat — beim Durchwühlen von Jackentaschen. Sie schlägt Alarm und hält den Mann auf. Andere Gruppenmitglieder lassen sich zeigen, was der Eindringling in den Jackentaschen hat, und fotografieren seinen Ausweis. Während die Mitspieler ihre Garderobe überprüfen, setzt sich der Mann schließlich ab. Die Probe geht — um Einiges holpriger als vorher — weiter, bis die Polizei eintrifft. Die nicht in die polizeiliche Meldung involvierten Darsteller und die Souffleuse versuchen, die Aufführungen weiterlaufen zu lassen, die fehlenden Darsteller bestmöglich zu ersetzen und die fehlende Bühnenbeleuchtung zu ignorieren. Die Stimmung auf der Bühne wird ausgelassen, als die Polizei ausgerechnet die Personalien eines Mitspielers aufnimmt, der eine exzentrische Frauenrolle spielt. Die Polizisten reagieren souverän und willigen sogar ein, sich von einem anwesenden Pressefotografen für ein Erinnerungsfoto ablichten zu lassen. Schließlich hat es eine derartige Generalprobe in 30 Jahren Schattenlichter-Geschichte nicht gegeben!
2014: Karten auf dem Schwarzmarkt
Erstmals in der Geschichte der Schattenlichter werden Karten auf dem Schwarzmarkt gehandelt: Zur Freitagsvorstellung kommen zwei glaubwürdig aussehende Besucher, die der Einlasskontrolle zwei Mittwochskarten vorzeigen. Dem Einlasser erzählen sie, dass eine Dame ihnen am Donnerstag diese Karten verkauft habe und behauptet habe, dass diese für die Freitagsvorstellung gelten würden! Die beiden Freitagsbesucher sind betrübt, dass sie auf den Betrug hereingefallen sind. - Diese Begebenheit übertrifft noch den alljährlichen Besuch einer Dame, die immer wieder behauptet, eine Eintrittskarte gekauft zu haben, die sie nun aber nicht mehr finden könne. Das Gute daran: So wird dem Einlasser nie langweilig.
2012: Kleiner Unfall
Zum ersten Mal seit Bestehen der Schattenlichter kam es während der Aufführungen zu einem Unfall: Eine Besucherin stürzte in der Pause auf der Treppe zum Pausenbuffet und zog sich eine große Platzwunde an der Nase zu. Glücklicherweise waren unter den 200 Zuschauern auch tatkräftige Krankenschwestern, und die Schattenlichter hatten ihren Erste-Hilfe-Koffer griffbereit.
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2012: Kitty die Fünfte
Noch bei keinem Stück gab es eine so große Fluktuation wie bei "Stolz und Vorurteil". Am schlimmsten traf es die kleinste Rolle der Bennet-Tochter Kitty: Sie wurde viermal neu besetzt, schließlich gestrichen — und letzten Endes fand sich doch noch eine Mitspielerin, die die Rolle quasi textlos, aber mit viel Mimik auf die Bühne brachte. Die Schattenlichter gingen dazu über, die Besetzung wie eine neue Software-Version "Kitty 5.0" zu nennen.
Auch die Rolle des Charmeurs Mr. Wickham stand unter keinem guten Stern: Für diese engagierte sich ein Mitglied der Schattenlichter, der inzwischen in Österreich wohnt und extra zweimal zu Probenterminen anreiste. Letztlich konnte er seine Rolle dann aber nicht wahrnehmen, da sie sich nicht mit seiner Arbeitssituation vereinbaren ließ. Auch die Rollen von Tante und Onkel wurden zweimal neu besetzt. Dass das — zur Generalprobe erstmals vollständige — Ensemble letztlich hervorragend zusammenpasste, grenzt an ein Wunder.
2011: Bühnennachwuchs
Erstmals treten bei den Schattenlichtern Kinder auf: Drei Mitspieler-Kinder im Alter von fünf, sechs und sieben Jahren haben einen kurzen Bühnenauftritt — gleich zehn Minuten nach Beginn, um doch noch einigermaßen pünktlich zu Bett zu kommen.

2011: Reife Braut
Acht Wochen vor der Premiere von Gogols "Heirat" erreicht die Schattenlichter eine Rundmail ihrer weiblichen Hauptdarstellerin: Diese teilt mit, dass ihr der Weg zum Gemeindehaus zu weit sei, da sie ja kürzlich umgezogen sei. Daher müsse sie leider auf ihre Rolle verzichten. Anders als die Hauptdarstellerin empfindet es die Gruppe als Problem, eine so große und zentrale Rolle kurzfristig noch umbesetzen zu müssen. Viele Optionen werden diskutiert, und schließlich übernimmt eine engagierte Mitspielerin, die bisher als Statistin eingeplant war, die Rolle. Wie üblich macht die Gruppe aus der Not eine Tugend: Dass Gogols "Braut" nun 54 statt 26 Jahre alt ist, wird nicht überschminkt, sondern die Braut behält ihr wahres Alter auf der Bühne bei — und es ist nun viel einfacher, nachzuvollziehen, warum die Braut die Dienste einer Heiratsvermittlerin in Anspruch nimmt. Zweierlei Erfreuliches war zu berichten: Die Braut machte ihre Sache hervorragend, und die Gruppe ging mit neuem Teamgefühl aus dieser Krise hervor.
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2008: Vermisst
Eine Stunde vor der Generalprobe von "Pygmalion": Die Darstellerin von Mrs. Pearce will ihre aufwändig gereinigte und gestärkte Spitzenbluse, ihre Schürze und ihren Rock aus einer Kreuzberger Reinigung abholen. Der Verkäufer kramt in seinen Unterlagen und errötet: "Ist nicht da Bluse!" Hektische Recherchen ergeben: Das gute Stück ist in eine falsche Filiale geliefert worden.
Vor dem Gemeindehaus begehren die ersten Schattenlichter vergebens Einlass, denn ausgerechnet heute hat Mrs. Pearce den Generalschlüssel. Nach 20 Minuten bringt ein Bote die Bluse zur richtigen Reinigung, und die Darstellerin kann doch noch korrekt bekleidet an der Generalprobe teilnehmen.
2008: Vom Winde verweht
Gerade atmen die Schattenlichter auf, dass ein befürchteter BVG-Streik doch nicht auf den Theateraufführungssamstag fallen wird. Aber Grund zur Entspannung besteht nicht: Orkantief "Emma" hält Berlin in Atem; die Feuerwehr ruft zweieinhalb Stunden vor Aufführungsbeginn den Ausnahmezustand aus. "Orkanartige Böen" der Windstärke elf mit Schwerpunkt in Dahlem und Potsdam sorgen für Kurzschlüsse, umfallende Bäume und Einschränkungen bei der Bahn. Als um 20 Uhr die Aufführung beginnt, ist die Feuerwehr in den vergangenen zweieinhalb Stunden zu 157 wetterbedingten Einsätzen ausgerückt. Der Kameramann der Schattenlichter kehrt auf halber Strecke um, da ein Baum auf der Stadtautobahn liegt. Da ist es noch erstaunlich, dass sich 180 Besucher zu den Schattenlichtern getraut haben. Wie viele es wohl sonst geworden wären?
2006: Ellenbogentaktik
Mit zwölf Geschworenen auf der Bühne wird es schnell mal eng. Immer wieder wird beim Proben darauf hingewiesen, dass der größte Spieler eine kleine Spielerin verdeckt. Doch eines Tages setzt sich die Verdeckte unerwartet zur Wehr, rempelt spaßeshalber den Verdecker an – und stößt ihn versehentlich in den Souffleurkasten! Zum Glück übersteht der Große die Attacke unbeschadet.
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2006: Mehr als voll
Gut besucht sind die Aufführungen der Schattenlichter fast immer. Aber Dürrenmatts "Physiker" übertreffen alles bisher Dagewesene: Schon acht Wochen vor der Premiere fragen mehrere Stammzuschauer an, wann die Aufführungen stattfinden werden, um ihre Krankenhausaufenthalte und andere Termine danach auszurichten. Später klingelt das Telefon bis zu 30 Mal am Tag, von 7 Uhr morgens bis 22:30 Uhr abends. Die Freitags- und Samstagsaufführung sind schon mit einer Woche Vorlauf ausgebucht (200 Plätze), die Premiere mit vier Tagen Vorlauf. So öffnen die Schattenlichter die Generalprobe für weitere 120 Zuschauer. Der Eindruck der telefongeplagten Kartenmanager: "Anstrengender als jeder Bürotag!"
2006: Warme Dusche
Zehn Minuten vor dem Aufbrechen zur Premiere muss eine Darstellerin noch schnell ihr Baby wickeln. Es pullert im hohen Bogen auf das Kostüm...
2006: Irgendetwas muss doch schief gehen!
Man sagt ja, dass bei der Generalprobe etwas schief gehen muss, damit die Premiere erfolgreich wird. Die Generalprobe der "Physiker" verläuft ohne Zwischenfälle. Aber zwei Schattenlichter scheuen keine Mühe, um den Theateraberglauben zu erfüllen: Auf dem Heimweg halten sie mit dem Auto an einer roten Ampel und das nachfolgende Fahrzeug fährt heftig auf. Die Polizei lässt eineinviertel Stunden auf sich warten; und das in einer der kältesten Nächte des Jahres, im kältesten Winter seit 28 Jahren. Naja, immerhin ist so doch etwas schief gegangen!
2004: Die Nase voll
Ausgerechnet der Schauspieler mit der größten Nase hat vor der letzten Aufführung von "Ernst sein ist wichtig" starkes Nasenbluten. Glücklicherweise hört es wenige Minuten vor der Aufführung auf. Für den Fall eines Rückfalls präpariert er sich die Nase mit saugfähigen Wattestückchen, die – aufgrund der mangelhaften Ausstattung des Aufführungsortes und der Zeitnot – aus einem Tampon stammen, und führt seine Rolle heldenhaft auf. Leicht irritiert sind nur die Schaupieler, die auf der Bühne nahe an ihn herantreten müssen und in seinen Nasenlöchern die Spezialausrüstung sehen.
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2004: Der sanfte Sturm
Vier Wochen vor der Premiere von "Ernst sein ist wichtig" bricht bzw. prellt sich der Hauptdarsteller bei einem Sturz vom Fahrrad mehrere Rippen. Der eigentlich zügellose Dandy, der auf der Bühne stürmisch eine 20-Jährige umwerben muss, wird plötzlich in seinen Bewegungen sehr verhalten und leidenschaftliche Umarmungen weichen einem sehr zurückhaltenden Spiel.
2003: Es war zum Schreien
Die Schattenlichter haben plötzlich einen Regisseur: Darsteller-Kind Benjamin nimmt im Alter von zwei Monaten regelmäßig an den Proben teil. Er bestimmt, wann eine Szene abgebrochen und wiederholt werden muss: Nämlich wenn er lauthals 'Kritik' anmeldet. Und die Schauspieler gehorchen und brechen das Spiel ab...
2003: Wer im Glashaus sitzt ...
Ausgerechnet die Schauspielerin, die in "Villa Glückspilz" eine 19-Jährige darstellen muss, wird schwanger und ist zu den Aufführungen bereits im siebten Monat. Ein ursprünglich vorgesehener Text musste getrichen werden, um nicht komisch zu wirken: So hätte die 19-Jährige gegenüber ihrer Tante deren spießige Wohngegend kritisiert: "Nichts passiert, außer dass die Nachbarin ein Kind bekommt." Und die Tante hätte erwidert: "Wart' ab, bis du selbst eins kriegst, dann wirst du es aufregend genug finden!"
2002: Ganz der Vater
Ein 30-jähriger Mitspieler muss einen 60-jährigen Mann spielen. Er leiht sich deshalb von seinem Vater das komplette Kostüm — Jackett, Hose, halbe Brille — und imitiert sogar dessen Frisur. Vor der Premiere begegnet ihm sein Vater zufällig auf der Toilette. Der Vater grüßt höflich, ohne seinen Sohn zu erkennen oder sich über seinen Doppelgänger zu wundern...
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2002: (Nicht) auf den Mund gefallen
Hiobsbotschaft: Ein Mitspieler kann nicht zur Probe kommen, da er beim Schlittschuhlaufen aufs Gesicht gestürzt ist und sich drei Zähne ausgeschlagen hat. Zum Glück findet er einen kompetenten Zahnarzt, so dass er seinen Theatertext bald wieder rezitieren kann — ohne Lispeln.
2000: Ein Ende ohne Schrecken wird zum Schrecken
Nochmal "Biedermann und die Brandstifter": Am Finale der zweiten Aufführung wartet Ehepaar Biedermann vergebens auf explodierende Gasometer und einstürzende Häuser — die Tontechnik hat versagt, es herrscht Stille. Schauspieler, Chor und Techniker kommen ganz schön ins Schwitzen, improvisieren dann aber so, dass die Zuschauer das "interessant interpretierte stille Ende" ganz angetan diskutieren.
2000: Mit Bauch geht's auch
Manch einem fällt auf, dass eine Schauspielerin im Feuerwehrchor von "Biedermann und die Brandstifter" recht beleibt ist. Doch kaum jemand käme bei ihrem engagierten Spiel auf die Idee, dass sie im neunten (!) Monat schwanger ist.
1999: Bundeswehr beugt sich den Schattenlichtern
Ein Mitspieler soll unerwartet zur Bundeswehr eingezogen werden. Ein Brief der Schattenlichter bewirkt, dass die Einberufung um drei Monate verschoben wird, da sonst eine "Zehlendorfer Tradition" gefährdet werden würde.
1998: Nobelpreis
Seit mehreren Monaten proben wir ein Stück von Dario Fo. Da erhält dieser den Literaturnobelpreis. Ein günstiger Zufall für unsere Werbung.
1994: Pfischers Pfritze
Sprachliche Feinheiten müssen auch Laienspieler beachten. Aber versuchen Sie mal, mit deutlicher Betonung "vier Pfoten" zu sagen! Verbunden mit Lampenfieber, kommen da schon mal "vier Foten", "pfier Pfoten" oder "pfier Foten" heraus.
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1993: Vorhang auf!
Generalprobe für "Andorra": Im nicht mehr taufrischen Gemeindehaus bricht die Vorhangkurbel aus der Wand. Zum Glück bekommt Hausmeister Detlef Schröder das Problem bis zum nächsten Tag in den Griff — sonst hätte es ein Theaterstück mit halbgeschlossenem Vorhang gegeben!
1993: Kuriose Doppelbesetzungen
Schon oft haben wir eine Person damit betraut, gleich zwei kleine Rollen zu übernehmen. Mit viel Augenzwinkern wird die rein pragmatisch getroffene Doppelbesetzung "Idiot" und "Pfarrer" aufgenommen. Die ebenfalls skurrile Doppelbesetzung der naiven Mutter und des philosophierenden Jemands verrät sich dadurch, dass die Schauspielerin am Premierentag ihren Finger in den Küchenmixer gehalten hat und einen dicken Verband trägt. Doppelbesetzungshöhepunkt im Jahr 2000: "Brandstifter" und "Feuerwehrmann" (im Chor).
23.9.1993: Olympia live
Die Premiere fällt auf den Tag, an dem entschieden wird, ob die Olympischen Spiele 2000 in Berlin stattfinden werden. Schüler im Publikum sind so neugierig, dass sie laut Radio hören und die Aufführung stören.
1991: Gewollt und ungewollt
Während einer Aufführung fällt die Sicherung aus. Ein Schauspieler sagt: "Wo ist denn hier der Lichtschalter?", doch natürlich findet er ihn nicht. Wir spielen bei Saalbeleuchtung weiter, bis der Techniker den Sicherungskasten gefunden hat. Kurz nachdem wieder Licht ist, spielen wir eine Szene, in der absichtlich das Bühnenlicht abgeschaltet wird. Das Publikum feixt ob dieses erneuten Fauxpas — bis es merkt, dass es diesmal gar keiner ist.
7./8.7.1990: Starke Konkurrenz
Unsere Aufführungen fallen auf die Tage des Fußball-WM-Halbfinales und -Finales. Ausgerechnet diesesmal erreicht das deutsche Team das Finale. Wir verlegen die Aufführungen auf den frühen Nachmittag – vor dem Spiel. Nach dem Abbau gehen wir heim — Totenstille in Zehlendorfs Straßen...
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9.11.1989: Maueröffnung pünktlich zur Premiere
Exakt am Tag unserer Premiere fällt die Berliner Mauer! Zur zweiten und dritten Aufführung laden wir die zahlreich nach Zehlendorf-Mitte strömenden Potsdamer ein. Sie kommen.
1989: Ohne Aufführungsrecht
Wenige Tage vor unserer ersten großen Premiere rufen die "Felix Bloch Erben" bei uns an, weil wir es versäumt haben, die Aufführungsrechte für den "Besuch der alten Dame" zu beantragen. Sie wollen uns die Aufführung untersagen, da im Nachbarhaus der Erben, dem Renaissance-Theater, ebenfalls die "Alte Dame" gespielt wird. Nach längerer Diskussion lassen sich die Erben davon überzeugen, dass wir keine ernst zu nehmende Konkurrenz sind. Im Gegenteil: Wir sahen uns die Renaissance-Aufführungen immerhin mit 22 Personen an.
Die Aufführungsrechte beantragen wir seither sehr früh — Kostenpunkt: etwa 50 Euro pro Abend.
1989: Morsche Säulen
Die mit viel Aufwand erstellte trojanische Säulenlandschaft wirkt zwar massiv, ist es aber nicht. Ein Darsteller lehnt sich an — eine Säule knackt ein. Sein spontaner Ausruf "Alles morsch hier!", eine intelligente Anspielung auf die Moral der Trojaner, geht im Gelächter des Publikums unter.
1989: Die unsichtbare Ohrfeige
Ein Charakter soll zweimal geohrfeigt werden. Durch einen verfrühten Auftritt fällt eine Ohrfeige weg. Dennoch wird der Charakter kurze Zeit später auf seine beiden roten Wangen angesprochen. Die einen merken es gar nicht, die anderen rätseln bis heute, wie das mit den beiden Backen wohl gemeint war.
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