Das Konzept der Schattenlichter

Bei unserer Theatergruppe ist manches anders

1. Wir haben den Regisseur "eingespart"
2. Wir proben um der Proben willen
3. Wir sind nicht teuer
4. Wir spielen in Zehlendorf
5. Wir haben keine Ambitionen

1. Wir haben den Regisseur "eingespart"

Normalerweise sind die Begriffe "Schauspieler" und "Regisseur" untrennbar. Doch die Schattenlichter proben seit 1988 ohne Regisseur. Warum?
In einer Gruppe mit Regisseur sind die Hauptdarsteller und der Regisseur am wichtigsten. Denn die einen haben den meisten Text gelernt und die längste Zeit gehabt, um von ihrem schauspielerischen Talent zu überzeugen. Der andere hat eine Interpretation des Stückes erarbeitet und mit den Schauspielern umgesetzt. Während der Proben heißt das: Die beschriebenen Gruppenmitglieder ackern und schwitzen, während der Rest rumsitzt und eben nur "der Rest" ist.
Wenn aber die Schattenlichter - ohne Regisseur - ein Stück einüben, sind alle gleichermaßen daran beteiligt. Denn wer gerade nicht aktiv auf der Bühne steht, beurteilt kritisch das Bühnengeschehen, bringt Ideen, Anregungen und Kritik ein. Sie sind gewissermaßen Teil-Regis­seure. Auf diese Weise sind auch Souffleuse, Beleuchter und Bühnenbildner das ganze Jahr über eingebunden.
Oft wird bezweifelt, dass eine Inszenierung einen roten Faden haben kann, wenn 16 Leute Regie führen. Doch unser Team ist eingespielt. Die Ideenvielfalt führt dazu, dass unterschiedliche Varianten ausprobiert werden und die passendste angenommen wird. Da 16 Leute mehr Ideen haben als eine einzige Person, erreichen wir meist kurzweilige Inszenierungen, die relativ nahe am Originaltext liegen. Denn niemand hat den Ehrgeiz, den einzelne Regisseure haben können, eine ganz persönliche, eindrucksvolle und höchst gewagte Interpretation zu zeigen.

2. Wir proben um der Proben willen

Wir werden oft gefragt, warum wir nur drei Aufführungen im Jahr machen. Ganz einfach: Theater ist unser Hobby, es soll Spaß machen, aber nicht in Stress ausarten. So sind eine dreistündige Probe pro Woche und eine Aufführungsreihe pro Jahr genug. Zumal es ja mit den Proben nicht getan ist: Für Mitglieder mit Freiräumen gibt es immer genug Organisatorisches zu erledigen.
Ebenso wichtig wie gelungene Aufführungen sind Proben, an denen man gerne teilnimmt, und ein kurzweiliges Drumherum der Stückauswahl, Textkürzung, Rollenverteilung, Stückdiskussion, Requisitensuche und Bühnenbildgestaltung. In dieser Zeit sind wir nicht Theatergruppe, sondern Literaturkreis, Handarbeitszirkel und Bühnenbauer.
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3. Wir sind nicht teuer

Mit wenig Geld ein Stück auf die Beine zu stellen, hat einen besonderen Reiz. Wie schafft man es, Bühnenbild, Requisiten, Technik, Kostüme und Werbung ohne nennenswertes Budget zu erstellen? Selber machen! Pragmatische Lösungen finden! Herumfragen! Den halben eigenen Haushalt ins Bühnenbild integrieren! Als sich der Premierenvorhang hob, hat schon mancher Zuschauer gestaunt, wie viele Gegenstände auf der Bühne ihm bekannt vorkamen.

4. Wir spielen in Zehlendorf

In Zehlendorf gibt es kaum Theaterinitiativen, wenn man von Schüleraufführungen absieht. Jedoch zählen die Zehlendorfer zu den eifrigsten Theatergängern der Stadt. Mit unserem Aufführungsort in Zehlendorf-Mitte sind wir am richtigen Ort aktiv.

5. Wir haben keine Ambitionen

Niemand von uns will ans professionelle Theater. Wir haben unsere beruflichen Ziele – "unserem Alter entsprechend" – längst definiert. Das Theatermachen ist vielmehr eine Ergänzung oder ein Kontrastprogramm zum beruflichen Alltag. Ein interessantes, kurzweiliges Hobby voller Herausforderungen, mit dem wir nicht zuletzt Kultur vermitteln und Freude haben und bereiten.
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