Schattenlichter -- Theatergruppe in Berlin-Zehlendorf

Chronik

Max Frisch:  "Biedermann und die Brandstifter"

März 2000
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23.-25. März 2000: Theateraufführungen (Großer Saal, Gemeindehaus)
Regie: Eigenregie
Musik: Marco Consiglio
Bühnenbild: Christof Brumm, Ralph Schellhase
Beleuchtung: Christof Brumm, Katja Ernst
Organisation: Elke Moews

  "Berliner Morgenpost" (29.10.1999):
"Der Bezirk würde gern mit einer blühenden Kulturszene glänzen. Doch in Sachen Theater sieht es in Zehlendorf ziemlich mau aus. Die einzigen Profis treten im 'Greenhouse' auf. Ansonsten herrschte — bis auf einige Schülerprojekte — Ödnis in der Theaterlandschaft. Wenn, ja wenn da nicht eine junge Laiengruppe seit 15 Jahren erfolgreich die Stellung hielte. Fernab von Berlins großen Theatern wurden die Schattenlichter, wie sich die Hobby-Mimen nennen, mit ihren jährlichen Auftritten eine kleine Institution im Bezirk. Im Laufe der Jahre haben sie den Zehlendorfern eine stattliche Stücke-Auswahl von Klassikern des 20. Jahrhunderts geboten. Dürrenmatt, Ionesco, Arthur Miller, Dario Fo und immer wieder Max Frisch gehören zu den gespielten Autoren. 'Unsere Inszenierungen sind für das Zehlendorfer Publikum gut geeignet, weil wir die Stücke nicht verfremden', sagt Elke Moews, seit 13 Jahren und damit am längsten dabei. Derzeit probt die Neunertruppe Max Frischs 'Biedermann und die Brandstifter', Premiere ist im März 2000. Angefangen haben die Schattenlichter 1984 als Konfirmanden der Paulusgemeinde. Mit Sketchen und Schattenspielen peppten die Jugendlichen die Gottesdienste auf — daher auch der Name. Als die Gruppe 1987 dem Konfirmandenalter entwachsen war, wagte sie sich an 'Größeres' heran. (...) Etwa 400 Zuschauer sehen die Aufführungen im Schnitt. Das Besondere an den Inszenierungen ist, dass es keinen Regisseur gibt. 'Wer nicht gerade selbst in einer Szene mitspielt, bringt seine Ideen ein. Dadurch sind auch die kleinen Rollen sehr wichtig', erläutert Theaterwissenschaftlerin Elke Moews. Die Schauspieler, zwischen 26 und 39 Jahre alt, kommen aus unterschiedlichsten Berufen. Susanne Siebentritt, seit sechs Jahren dabei, ist Physikerin. 'Ich habe etwas Kreatives als Ausgleich zu meinem Beruf gesucht', sagt die 35-Jährige. Der 26-jährige Marco Consiglio ist seit elf Jahren mit von der Partie. Er studiert gerade den 'Biedermann' ein. 'Mit jeder neuen Rolle entdecke ich Seiten an mir, die ich vorher nicht gekannt habe', sagt er. In die Stücke kann der angehende Musiklehrer auch sein Talent als Komponist einbringen. Er schreibt die Chor- und die Pausenmusik. Eine ganz besondere Premiere gab's am 9. November 1989. Als nach der Vorführung die Mauer fiel und die ersten Trabis durch Zehlendorf tuckerten, lud die Theatergruppe die ersten 'Ossis' auf der Straße ein, sich das Stück 'Kein Krieg in Troja' umsonst anzuschauen. 'Und es sind viele gekommen', erinnert sich Elke Moews. 'Die Abende waren lang, weil alle aufgeregt Gespräche miteinander führten.' Neue Mitspieler sind willkommen." (Jenny Kähler)

"Paulusblätter" (6/1999):
"Kaum sind die Schritte der Inspektorin verklungen, die kürzlich auf der Bühne im Großen Saal ihre Nachforschungen anstellte, haben die Mitglieder der Theatergruppe Schattenlichter schon wieder ein neues Stück ausgewählt. Wie üblich kamen drei Dramen in die engere Auswahl: Anouilhs 'Reisender ohne Gepäck', Strindbergs 'Totentanz' und Frischs 'Biedermann'. Ebenfalls wie üblich, wurde die Auswahl nicht zuletzt unter praktischen Gesichtspunkten getroffen: Frischs Stück hat nur zwei Bühnenbilder, die genau richtige Länge und die genau richtigen Charaktere, die zu den Mitgliedern der Theatergruppe passen. Wie gut die Charaktere auf die Spieler passen, zeigt sich daran, dass die Rollen binnen fünf Minuten einstimmig vergeben waren. Zudem haben die Schattenlichter bereits zwei andere Stücke von Frisch auf die Bühne gebracht: 1990 'Biografie: Ein Spiel' und 1994 'Andorra'. Im Jubiläumsjahr 2000, wenn die Schattenlichter ihre 15-jährige Existenz feiern, ist ein weiteres Stück des Schweizer Autors also ebenfalls genau richtig. Die ersten Proben werden im Juni stattfinden; derzeit befasst sich die Gruppe mit Kürzungen und Diskussionen. Die Aufführungen sollen voraussichtlich am 23., 24. und 25. März 2000 im Gemeindehaus stattfinden." (elk)
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  "Paulusblätter" (2/2000):
"Wer denn rollt Fässer voller Benzin auf den Dachboden des Gemeindehauses am Teltower Damm? Halunken? Brandstifter? Ja, aber keine echten: Die Theatergruppe Schattenlichter geht in den Endspurt für Max Frischs bekanntes Drama 'Biedermann und die Brandstifter'. Die Aufführungen werden am 23., 24. und 25. März um 20 Uhr im Großen Saal stattfinden. Derzeit wird die Bühne in das biedere Haus der Familie Biedermann verwandelt, das sich die Brandstifter ausgeguckt haben, um dort ihr Unwesen zu treiben. mdash; Das Stück ist bereits das dritte von Max Frisch, das die Schattenlichter aufführen — nach 'Andorra' 1993 und 'Biografie: Ein Spiel' 1990. Damit feiert die einstige Jugendgruppe ihr 15-jähriges Bestehen. Angefangen hatte die Gruppe 1985 mit Schattenspielen, die in der Pauluskirche, der Alten Dorfkirche, dem Großen Saal und der Partnergemeinde Rangsdorf aufgeführt wurden. Seit 1987 erarbeiten die Schattenlichter im Jahresrhythmus anspruchsvolle, kurzweilig inszenierte Theaterstücke aus dem 20. Jahrhundert." (Elke Moews)

"Paulusblätter" (3/2000):
"Mancher Paulaner wird sich noch daran erinnern, warum die Theatergruppe Schattenlichter sich vor 15 Jahren diesen Namen gab. Damals standen noch keine abendfüllenden Dramen auf dem Programm der Laienspieltruppe, sondern kleinere Schattenspiele, die im Rahmen von Gottesdiensten dargeboten wurden. (...) Einige Fotos veröffentlicht die Theatergruppe in ihrem 32-seitigen Programmheft, das zu der neusten Aufführungsreihe zugleich als Eintrittskarte gilt. Insofern lohnt sich diesmal der Kartenvorverkauf besonders, als es viel über die Gruppengeschichte zu erfahren gilt. — Seit 1987 erarbeiten die Schattenlichter im Jahresrhythmus anspruchsvolle, kurzweilig inszenierte Theaterstücke aus dem 20. Jahrhundert, etwa von Frisch, Dürrenmatt, Enzensberger, Fo, Ionesco, Shaw, Priestley und Miller. — Am Donnerstag, dem 23. März, hat Max Frischs Schauspiel 'Biedermann und die Brandstifter' Premiere. Weitere Aufführungen folgen am 24. und 25. März, jeweils um 20 Uhr. Bei diesen drei Terminen bleibt es, denn das Theaterspielen ist für die Darsteller, die inzwischen ausnahmslos im Berufsleben stehen, nicht mehr als ein Hobby, das nicht in Stress ausarten soll. — Vieles ist in den 15 Jahren Tradition geworden: beispielsweise die Bühnenmusik, die Musikstudent Marco Consiglio zu jedem Stück komponiert und mit Zehlendorfer Hobbymusikern einübt. Oder der gemeinschaftliche Aufbau des Bühnenbildes, den Christof Brumm und Ralph Schellhase planen und anleiten. Theaterspielen alleine reicht nicht — jeder muss seine zusätzlichen Fähigkeiten einbringen. So entstehen auch Kostüme, Maske, Technik und Werbung in Eigenregie. Nur einen Regisseur gibt es nicht: 'Je kleiner die eigene Rolle ist, desto mehr Gelegenheit hat man, die Inszenierung als Kritiker mitzubestimmen', erläutert Organisatorin Elke Moews. — Das Stück 'Biedermann und die Brandstifter' beruht auf einer Prosaskizze, die Max Frisch in seinem 'Tagebuch 1946 – 1949' veröffentlichte und in den 50er Jahren erst für den Hörfunk, dann für die Bühne umschrieb. — Frisch zu seinem Stück: 'Es handelt sich um eine Parabel, also nicht um eine Geschichte, die den Anspruch erhebt, dass man sie glaube; sondern um ein Spiel, ein Bei-Spiel — um einen Gottlieb Biedermann, der sich sehr unwahrscheinlich verhält: Er hat eine Heidenangst, dass man ihm sein Haus anzünde, und trotzdem gibt er den beiden Gesellen, die sehr nach Brandstifter aussehen, eigenhändig die Streichhölzer. Natürlich tut er dies nicht sogleich; er hat so seinen Verdacht wie jeder vernünftige Mensch, und unser Spiel möchte eigentlich nichts anderes zeigen als dies, wie ein Mann, der Ruhe und Frieden wünscht wie wir alle, etwas Höchstgefährliches tut, eben weil er Ruhe und Frieden wünscht und zwar um jeden Preis. (...) Nein! wird der freundliche Hörer sagen: So würde ich mich nie verhalten! Darauf kann der Verfasser nur sagen: Um so besser (...), wenn keiner von uns sich so verhalten würde wie dieser unwahrscheinliche Herr Biedermann." (elk)
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  "Kultur Kalender Zehlendorf" (Februar/März 2000):
"(...) Aufführung anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Theatergruppe Schattenlichter, die bisher ein gutes Dutzend abendfüllender Theaterstücke inszeniert hat — ohne Regisseur, so dass jeder Schauspieler die Inszenierung mitbestimmt. Eine Garantie für ein ideenreiches, kurzweiliges Programm! Auch Bühnenmusik, Kostüme, Bühnenbild und Maske entstehen in Eigenregie. (...)"

"SpielArt" (März 2000):
"Wieder ist ein Jahr vergangen. SpielArt merkt das nicht zuletzt daran, dass wir zur Premiere der kirchlichen Theatergruppe Schattenlichter ins zehlendorfer Paulus-Gemeindehaus eingeladen werden. Denn einmal jährlich an nur drei Abenden zeigt das Dutzend theaterbegeisterter Leute von 26 bis 39 Jahren einen Klassiker der Moderne. In diesem Jahr ist es Max Frischs politische Parabel 'Biedermann und die Brandstifter' von 1958 um die feige Anpassung des spießigen Haarwasserfabrikanten Biedermann, mit der er den Verbrechen der Brandstifter Vorschub leistet. — In der Selbstdarstellung beantworten die Mitglieder selbst die vielgestellte Frage nach den so seltenen Aufführungen: 'Ganz einfach: Theater ist unser Hobby, es soll Spaß machen, aber nicht in Stress ausarten. So sind eine dreistündige probe pro Woche und eine Aufführungsreihe pro Jahr genug. Ebenso wichtig wie gelungene Aufführungen sind Proben, an denen man gerne teilnimmt, und ein kurzweiliges Drumherum der Stückauswahl, Textkürzung, Rollenverteilung, Stückdiskussion, Requisitensuche unf Bühnenbildgestaltung. In dieser Zeit sind wir nicht Theatergruppe, sondern Literaturkreis, Handarbeitszirkel und Baumeistertreff.' – Daher gibt es keine strikte Trennung von Regie und Darstellern, sondern eine kollektive Leitung und Diskussion soll erreichen, 'dass unterschiedliche Varianten ausprobiert werden und die passendste angenommen wird. Da 20 Leute mehr Ideen haben als eine einzige Person, erreichen wir meist kurzweilige Inszenierungen, die relativ nahe am Originaltext liegen. Denn niemand hat den Ehrgeiz, den einzelne Regisseure haben können, eine ganz persönliche, eindrucksvolle und höchst gewagte Interpretation zu zeigen.' — Von der locker-kreativen Probenatmosphäre waren wir sehr angetan und gratulieren auf diesem Wege der Gruppe zum 15-jährigen Bestehen. Wir wünschen uns, ihr und dem Publikum, dass auch in den nächsten Jahren drei Aufführungsabende bei den niveauvollen Schattenlichtern zum Jahresrhythmus gehören. (...)" (Franz-Josef Paulus)
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  "Der Schlüssel" (März 2000):
"Brandstifter in Zehlendorf — Mit dem Stück 'Biedermann und die Brandstifter' von Max Frisch feiert die Theatergruppe Schattenlichter ihr 15-jähriges Bestehen. Am Donnerstag, dem 23. März, um 20 Uhr tritt die Gruppe im Paulus-Gemeindehaus, Teltower Damm 4–8, auf. (...)"


  "Bezirksjournal Berlin, Ausgabe Steglitz/Zehlendorf" (08.03.2000):
"Die Theatergruppe Schattenlichter, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert, zeigt anlässlich ihres Jubiläums Max Frischs 'Biedermann und die Brandstifter'. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten inszenierte die Theatergruppe gut ein Dutzend Stücke — jedes Mal ohne Regisseur, so dass die einzelnen Schauspieler die Inszenierung mit bestimmen können. Auch Musik, Kostüme und Bühnenbild machen die Mitspieler selbst. Zu Beginn hatten die zwölf Mitglieder der Theatergruppe Schattenspiele aufgeführt. Seit 1987 erarbeiten die Schattenlichter abendfüllende Dramen aus dem 20. Jahrhundert, darunter Stücke von Dürrenmatt, Enzensberger, Fo und Shaw. Die Premiere der in den 50er Jahren geschriebenen Parabel 'Biedermann und die Brandstifter' von Max Frisch, die wohl jeder einst in der Schule lesen durfte, ist am 23. März um 20 Uhr im Paulus-Gemeindehaus. (...)" (tk)

"Berliner Zeitung" (09.03.2000):
"Die Zehlendorfer Theatergruppe Schattenlichter, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert, zeigt anlässlich ihres Jubiläums Max Frischs 'Biedermann und die Brandstifter'. Gut ein Dutzend Stücke hat die Truppe seit ihrem Bestehen inszeniert — immer ohne Regisseur, denn die einzelnen Schauspieler sollen mitbestimmen können. Auch um Musik, Kostüme und Bühnenbild kümmern sie sich selbst. Die zwölf Mitglieder begannen zwar mit Schattenspielen, erarbeiten aber seit 1987 abendfüllende Stücke aus dem 20. Jahrhundert etwa von Dürrenmatt, Enzensberger und Shaw. Die Premiere von 'Biedermann und die Brandstifter' ist am 23. März um 20 Uhr im Paulus-Gemeindehaus, Teltower Damm 4–8. (...)" (kö.)
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  "Berliner Abendblatt, Lokalausgabe Zehlendorf" (15.03.2000):
"Vor 15 Jahren fand sich eine Hand voll junger Zehlendorfer zusammen, um Schattenspiele zu zeigen. Doch schon nach zwei Jahren änderte die Truppe ihr Konzept. Der Name Schattenlichter blieb, jetzt aber standen 'echte' Theaterstücke auf dem Programm. Seitdem hat das Hobbyensemble jedes Jahr eine Premiere gefeiert. Am Donnerstag, dem 23. März, um 20 Uhr ist es wieder so weit: 'Biedermann und die Brandstifter' von Max Frisch wird auf die Bühne gebracht. Die Aufführungen finden im Paulus-Gemeindehaus am Teltower Damm 4–8 statt. Zum Stück: Frisch selbst nennt es eine Parabel, also eine Geschichte, die keinen Anspruch auf Wahrheit erhebt, sondern ein Spiel, ein Bei-Spiel, ist. Gottlieb Biedermann hat eine Heidenangst, dass man ihm sein Haus anzündet, er will nichts anderes als seine Ruhe und seinen Frieden. Trotzdem gibt er schließlich zwei höchst verdächtig aussehenden eine Schachtel Streichhölzer... — Vieles ist in den 15 Jahren bei den Schattenlichtern Tradition geworden: Zu jedem Stück wird eigens eine Bühnenmusik komponiert und mit Zehlendorfer Hobbymusikern eingeübt. Das Bühnenbild wird gemeinschaftlich aufgebaut, und auch Kostüme, Maske, Technik und Werbung werden in Eigenregie realisiert. Nur einen Regisseur gibt es nicht: 'Je kleiner die eigene Rolle ist, desto mehr Gelegenheit hat man, die Inszenierung als Kritiker mitzubestimmen', so Organisatorin Elke Moews. (...)" (susch)

"debis inside" (März 2000):
"Empfehlungen: Brandstifter machen am 23., 24. Und 25. März Berlin-Zehlendorf unsicher: Die Theatergruppe Schattenlichter führt Max Frischs Klassiker 'Biedermann und die Brandstifter' auf. Die Schauspieler arbeiten ohne Regisseur, so dass jeder die Inszenierung mitbestimmen kann. Bühnenmusik, Kostüme, Bühnenbild und Maske entstehen ebenfalls in Eigenregie. (...)" (Elke Moews, debis AG, Berlin)

  "debis inside"(internationale Ausgabe) (März 2000):
"Recommendations: Fire raisers will be wreaking havoc in the Zehlendorf district of Berlin on March 23, 24 and 25. The Schattenlichter drama group is putting on Max Frisch's 'Biedermann and the Fire Raisers'. The actors work without a director, so they are all able to contribute their ideas to the production. They also create the music, costumes, stage sets and make-up themselves. (...)"(Elke Moews, debis AG, Berlin)

"Berliner Morgenpost" (20.03.2000):
"Die Schattenlichter spielen anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens 'Biedermann und die Brandstifter'. Das Max-Frisch-Stück hat am Donnerstag im Großen Saal, der Paulus-Gemeinde, Teltower Damm 4–8, Premiere. Auch am 24. Und 25. März machen die Brandstifter jeweils ab 20 Uhr den Gemeindesaal unsicher. (...)" (tes)
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  "Berliner Morgenpost" (21.03.2000):
"Die Lunte ist schon gelegt, selbst wenn sie auf der Bühne der Paulusgemeinde, inmitten der gutbürgerlichen Wohnkulisse, nicht wirklich zu sehen ist: Am Donnerstag haben 'Biedermann und die Brandstifter' am Teltower Damm 4–8 Premiere. Die Schattenlichter feiern mit dem Max-Frisch-Stück ihr 15-jähriges Bestehen. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten inszenierte die Zehlendorfer Laien-Theatergruppe mehr als ein Dutzend Stücke — stets ohne Regisseur. Bühnenbild, Musik, Kostüme und Maske entstehen in Eigenregie. Jeweils ein Jahr wird bis zur ersten Aufführung geprobt. 20 Akteure bringen so ihre Ideen mit ein, ist sich Mit-Spielerin Elke Moews gewiss: 'Wer nicht gerade aktiv auf der Bühnen steht, ist Teil-Regisseur. So sind auch Beleuchter, Souffleuse und Bühnenbildner das ganze Jahr über eingebunden.' — Mit ihrer 'Brandstifter'-Inszenierung orientieren sich die Schattenlichter eng am Original. Sparsam möbliert, mit Eichenbüfett und Esstisch, lenkt das Bühnenbild die Aufmerksamkeit auf die innere Zerrissenheit der Figuren. So windet sich Gottlieb Biedermann alias Marco Consiglio in seiner Heidenangst vor Brandstiftung in seinem Haus. Der an den antiken Tragödienchor angelehnte Chor der braven Feuerwehrmänner beschwichtigt mit seinem Sing-Sang, ohne wirklich eine Brandstiftung verhindern zu können. So nimmt das Drama um den Haarwasserfabrikanten, der seiner Angst vor der Zündelei zum Trotz zwei suspekt aussehenden Gestalten eigenhändig die Streichhölzer überreicht, seinen Lauf: Donnerstag, Freitag und Sonnabend jeweils um 20 Uhr. (...)" (Ute Schirmack)

"Paulusblätter" (5/2000):
"Schon so manches Mal haben die Schattenlichter mit der Auswahl ihrer Stücke Erstaunen erregt, die ja auch von der Machbarkeit beschränkt sind (nicht zu viele Darsteller, nicht zu aufwendige Bühnenbilder usw.). Dann erwies sich plötzlich oft, dass sie voll im Trend lagen: 'Die Frau vom Meer' oder auch (am 9. November 1989!) 'Kein Krieg in Troja'. Nun haben sie — im Jahr 2000! — einen Ladenhüter wiederbelebt. Ladenhüter? — Max Frischs 'Lehrstück ohne Lehre' entstand 1953 als Hörspiel und wurde in Deutschland durch die Städtischen Bühnen Frankfurt/Main, also nicht das allererste Sprachrohr, verbreitet. Bald nahmen sich die Schultheater seiner an, und auch dort galt es in den letzten Jahren eher als 'Dokument seiner Zeit'. Was denn genau lehrt es? Eine Stadt wird seit einige Zeit von Brandstiftungen heimgesucht, und Frisch erstellt drei Täter- und ein Opferprofil. Der Dumm-Dreiste appelliert an die Weichherzigkeit, die jeder gern für sich beansprucht, auch wenn er eigentlich so knallhart operiert, dass er dabei menschliche Tragödien in Kauf nimmt. Der Zyniker argumentiert nur mit der ungeschminkten Wahrheit und gewinnt seine Lust daraus, dass sie seinem Opfer so ungeheuerlich erscheint, dass er sie für sich zurecht biegen muss. Und der Theoretiker erkennt erst, als der Schaden unumkehrbar ist, die praktischen Konsequenzen seiner Gedankengebäude — und distanziert sich selbstverständlich. So weit die Täter. Und nun zum Opfer. Wer oder was ist ein Biedermann? Für Frisch ist das einer, der durchaus zur Urteilsfähigkeit erzogen worden ist und der sie auch einsetzt, solange sie andere betrifft. Ist aber der Schaden so weit gediehen, dass zur Behebung seine eigene Zivilcourage gefragt ist, und es stellt sich heraus, dass seine Herausforderer ihm an Machtstreben und Trickreichtum überlegen sind, kuscht er und erfindet tausend Ausflüchte, ja, er macht sich sogar mit ihnen gemein: Als die Polizei auf seinem Dachboden die Benzinfässer entdeckt, mit deren Hilfe sein Haus brennen wird, und ein Wort von ihm den Spuk beenden könnte, macht er sich mit den Tätern gemein und belügt zusammen mit ihnen die Ordnungsmacht. — In diesen Monaten hat sich gerade wieder gezeigt, und damit sind wir bei der Aktualität der Schattenlichter, wie allergisch wir auf diese Art Biedermänner reagieren, um nicht selbst zu ihnen gerechnet zu werden. Dabei erweist sich, dass ein 'wehret den Anfängen' allein leicht zu Überreaktionen führen kann. Endlich sollte eine Auseinandersetzung mit geschichtlichen Abläufen dazu führen, aus Mücken keine Elefanten — und umgekehrt — zu machen: Wenn die Vertretung von 16 europäischen Staaten sich auf ein paar Trachtenvereine einschießen, ohne sich klar zu machen, welche Interessenverbände hinter der Bewegung gesteckt haben, deren Bekämpfung sie schon einmal verschlafen haben, dann beweisen sie wieder einmal nur, dass Geschichte das Letzte ist, woraus sie lernen möchten. Die Schattenlichter profitieren davon, dass Frisch nur Verhaltensmuster vorführt, ohne auf das gesellschaftliche Umfeld zu verweisen, eben 'ein Leerstück ohne Leere' zu entwerfen. Sie lösen ihre Aufgabe, wie immer, mit ihren Mitteln, so werkgetreu wie nötig und so einfallsreich wie möglich. Die Bühne beherbergt das Wohnzimmer, nur mit den wirklich notwendigen Requisiten, und der Dachboden ist auf eine Rampe auf gleicher Ebene gebaut, so klein, dass mit wenigen Benzinfässern eine wirklich drangvolle Enge herrscht. Der Chor agiert zusätzlich im Zuschauerraum — dem inzwischen gewohnten Prinzip der Auflockerung wird also auch hier wieder genügt. Im Chor finden sich auch die Doppelbesetzungen, mit denen die 'Schattenlichter' gerne aus der Not eine Tugend machen. Dieser Chor schlüpft in die Rolle von Feuerwehrleuten, angemessen, weil Frisch meint, dass auch der Chor der griechischen Tragödie keine Möglichkeit zum rechtzeitigen Eingreifen gehabt hätte. Seine Mitglieder sprechen ausgezeichnet. Dabei verdient die Auflösung in mehrere Stimmgruppen nicht nur Lob: Sie nimmt nicht nur das Monotone, sondern auch die damit verbundene Eindringlichkeit. — Das Ensemble nietet diesmal keine Überraschungen. Umso besser kann man sich auf die Nuancen in der Entwicklung konzentrieren. Marco Consiglio hat es offenbar gut getan, dass er in der letzten Inszenierung einmal nicht das Familienoberhaupt war: Jetzt ist er viel lockerer, kann Verkrampfungen, die dieser Biedermann unbedingt verlangt, viel bewusster gestalten. Auch Elke Moews als seine irgendwie alterslose Frau hat eine Entwicklung durchgemacht: Nicht nur ihr Kostüm ist klug gewählt, ihre Bewegungen zeigen ein wachsendes Einfühlungsvermögen in die Gegebenheiten älterer Menschen. Susanne Siebentritt reagiert gekonnt schnippisch auf die merkwürdigen Ansinnen, die an sie gestellt werden — wie gut sie das kann, wissen wir noch aus dem 'Menschenfeind'. Oliver Koths ist mit abgehackter Sprechweise, die geistige Unbeweglichkeit suggeriert, die ideale Besetzung des Dumm-Dreisten. Der Höhepunkt der Aufführung ist diesmal Tobias Schlottke als der Zyniker, der dem Biedermann die Wahrheit gar nicht faustdick genug servieren kann, damit der sie doch nicht glauben mag. Er triumphiert nicht grob und laut, sondern mit einem unbeschreiblich leisem Amüsement, so dass der Zuschauer den doppelten Genuss hat: an dem Nicht-kapieren-wollen des Biedermann und an Eisenrings Heiterkeit darüber. Die Rolle des Theoretikers gibt nicht genug her, als dass Ralph Schellhase sich damit hätte profilieren können. Deshalb sei hier erwähnt, dass er schon seit 1997 Anteil an der Gestaltung des Bühnenbildes hat. Die Lektüre zu den Absichten der Bühnenmusik war diesmal leichter als das Nachvollziehen: Wenn man/ich versucht ist/bin, die Banalität von Quinten und ähnlichem zu erkennen, ist/bin man/ich hilflos, wenn, völlig angemessen, 'Fuchs, du hast die Gans gestohlen' erklingt. Trotzdem: Sie und die Musiker haben und erfreut! — Wieder einmal: Danke für die gelungene Aufführung! Und: Bitte weitermachen!" (Inge Plümacher)
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  "Paulusblätter" (7/2000):
"'Feuergefährlich ist viel', so tönte der Feuerwehrchor in Max Frischs Schauspiel 'Biedermann und die Brandstifter', das die Theatergruppe Schattenlichter im März im Großen Saal aufführte. Damit die Laienspieler nicht nur fiktives Bühnengeschehen, sondern auch den echten Feuerwehralltag kennen lernen können, lud die Werksfeuerwehr des Wannseer Hahn-Meitner-Instituts die Schattenlichter im Mai zu einem Besuch des Feuerwehrmuseums in Berlin-Tegel ein. Die Anreise fand — wie sollte es anders sein — im Feuerwehrauto statt. (...)" (elk)

"Paulusblätter" (7/2000):
"Die Theatergruppe Schattenlichter präsentiert sich jetzt im Internet. Unter der Adresse www.theatergruppe-schattenlichter.de sind zahlreiche Fotos der Aufführungen von 2000 (Frischs 'Biedermann und die Brandstifter') und 1999 (Priestleys 'Ein Inspektor kommt') zu sehen. Dazu findet der Surfer hier die Schattenlichter-Chronik, die Informationen und die Pressestimmen der vergangenen 15 Jahre zusammenfasst. Nicht zuletzt werden auf der Schattenlichter-Homepage die Namen (...) der Gruppenmitglieder genannt. Wer es lieber herkömmlich mag, kann telefonisch unter 8 111 333 mit den Schattenlichtern Kontakt aufnehmen." (elk)
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